Donnerstag, 17. Dezember 2015

Wenn du mich fragst, wo's am Schönsten war, sag ich Sansibar - Achim Reichel

Sansibar - menschenleerer, weißer Strand, türkises Meer  - ein Traum 

Hallo zurück,
heute berichte ich euch von meinem Aufenthalt in Sansibar und die Weihnachtsstimmung in Dar Es Salaam, die sich bei mir einfach nicht einstellen mag.

Nachdem wir die Fähre betreten hatten, die sogar für afrikanische Verhältnisse ziemlich luxuriös war, erreichten wir nach 1 ½ Stunden Fahrt ein verregnetes Sansibar. 
Nachdem wir alles im Hotel abgestellt hatten, machten wir uns auf den Weg nach Stone Town; dort besichtigten wir den „Former Slave Market“ und erfuhren so einiges über die Zeit der Sklaverei und wer wie dagegen ankämpfte. Außerdem konnten wir die Katakomben sehen, in denen Frauen und Kinder und Männer darauf warteten versklavt zu werden, das war wirklich erschreckend zu sehen; es waren ca. 45 Frauen mit Kindern auf kleinstem Raum eingepfercht und die Fenster wurden im Nachhinein sogar noch vergrößert, damit bei Besichtigungen mehr zu erkennen ist. 
Nachdem wir den Nachmittag damit verbracht hatten durch die Gassen zu schlendern, ging es abends zum berühmten Food Market, bei dem es allerlei Sea Food gab, das uns aber eher nicht empfohlen wurde zu essen. Stattdessen aßen wir die berühmte Sansibari Pizza, die es sowohl in herzhafter als auch in süßer Variante gab. 
Der zweite Tag in Stone Town begann mit einem leckeren Frühstück auf der Dachterrasse unseres Hotels, von wo aus wir Blick auf das Meer, den Hafen und die alten Häuser Stone Towns hatten. Heute stand eine Spice Tour auf dem Programm, um zu erfahren wie die ganzen Gewürze, die wir so im Supermarkt kaufen in natura aussehen, wie sie riechen, schmecken und was für eine Arbeit dahinter steckt, an manche davon zu gelangen. auf Sansibar gibt es Pfeffer, Muskatnuss, Kardamom, Zimt, Vanille, Karambolen, Mangostanen, Jack-Fruits, „Red Lipstick“, Lemongrass und Nelken, was das berühmteste und wichtigste Gewürz Sansibars ist und natürlich noch viele mehr. Es war soo spannend, die ganzen Gerüche, wie die ganze Pflanze aussieht und was man in meiner Fantasie schon alles damit backen könnte, hat mich echt umgehauen.
Nach der Spice Tour fuhren wir in den Osten der Insel nach Jambiani. Unser Hotel dort war so gut wie leer und deshalb durften wir sogar ein schöneres Zimmer als geplant haben;) Mit Klimaanlage und extrem schicken Bad; das Hotel hatte auch einen kleinen Pool, war direkt am Strand und sehr grün angelegt.
Am dritten Tag fuhren wir in den Jozani Forest, um uns alles Wissenswerte über die beheimateten Bäume anzuhören und vor allem ganz viele Affen aus weniger als 1 Meter Entfernung betrachten zu können.
Am nächsten Tag war der Vormittag für den Strand, den Pool und zum Relaxen reserviert. Nachmittags gingen die anderen dann schnorcheln, aber das weite Meer und ich werden wohl einfach keine Freunde mehr; dann doch lieber eine Quad-Safari bzw. alles mit festem Boden unter meinen Füßen ;)
Naja von dem Tag hatte ich dann trotzdem was, wenn auch nur einen heftigen Sonnenbrand, aber besser als nichts.
Am nächsten Morgen wurden wir schon nach ein paar Runden durch den Pool abgeholt, um nach Kizimkazi zu fahren. Hier hat mir die Umgebung, das Meer, die Bungalows einfach alles am Besten. In m kleinen Lodge waren überall Liegen, Hängematten, gemütliche Sitzgruppen direkt zum Meer ausgerichtet und wir bleiben nur einen Tag; seehr traurig. 
Nach dem Essen bewunderten wir den unglaublich schönen Sonnenuntergang am Strand. Abends wurde ein Lagerfeuer gemacht und Trommeln dazu gestellt und wir bekamen afrikanische Trommelmusik zur Untermalung unseres Abends. Außerdem dachte ich bisher immer habe ich den schönsten Sternenhimmel im Jahr in Zaberfeld im Zeltlager, aber gegen den auf Sansibar kommt der dort echt nicht an. Ich konnte den ganzen Abend da sitzen und in den Himmel sehen, als dann auch noch Sternschnuppen auftauchten, war alles perfekt, außer dass  in solchen Momenten auch das Heimweh bzw. das Vermissen größer wird.
Um 5.45 Uhr am nächsten Morgen klingelte unser Wecker, weil wir heute auf Delfin-Tour gingen. Wenn man wollte, darf man natürlich auch mit ihnen schwimmen. Für mich war das aber erstens zu früh, zweitens zu kalt und drittens leben sie nun einmal im Meer;)
Man kann es sich ähnlich vorstellen wie bei dem Whale Shark auf Mafia: Anfangs nur wenige Boote, je weiter der Tag voranschreitet, umso mehr Boote fahren befüllt mit Touristen hinaus. Lange Zeit haben wir nichts sehen können, aber dann entdeckte ich einen kleinen Schwarm, auf den man dann mit einem Affenzahn zurast, um kurz davor wieder abzubremsen. Die Delfine werden eingekreist und alle Touris dürfen ins Wasser springen und sich die Delfine anschauen und natürlich ein Stück mit ihnen schwimmen, bis diese dann weiter schwimmen. Dann geht es zurück ins Boot und das ganze Spiel geht wieder von vorne los. Den Tag verbrachten wir noch ganz entspannt in Hängematten und Sonnenliegen.
Dann ging unsere Fahrt weiter zurück nach Stone Town. Nachdem wir nochmals gut gegessen hatten und unsere Tickets für die Nachtfähre gelöst haben, machten wir nochmals einen Bummel durch die Altstadt Zanzibars und deckten uns noch einmal mit Souvenirs und vor allem natürlich Gewürzen ein.
Bis bald!! Liebste Grüße Christina

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Meine Reisezeit beginnt...

Das Reisen allein und seine Tücken
Die Reise beginnt, nachts um 4 Uhr klingelt der Wecker und es wird ernst. Habe ich alles eingepackt? Ich bin jetzt so circa 2 Wochen unterwegs und komme zwischendurch nicht wieder zurück.
Da zurzeit eine Art kleine Regenzeit herrscht und der Regen nur so runter prasselte, steckte der eine Bajaji Fahrer im Schlamm fest.
Der andere stand aber schon wartend vor unserem Tor, dabei sollten wir zwingend zusammen los fahren. Da wir dies dem Bajaji Fahrer aber nicht erklären konnten, preschte er nur so los und es war wirklich die halsbrecherischste Fahrt aller Zeiten. In Ubungo (dem größten und unübersichtlichsten Busbahnhof überhaupt), der für mich am unattraktivsten erscheinende Ort in Tansania, angekommen, bedrängte uns auch gleich ein Touristen-Schlepper und wollte uns in einen besonders teuren Bus lotsen. Bis wir dem verklickern konnten, dass wir auch nach der hundertsten Lüge von bereits vollen Bussen über wir seien zu spät und was wir uns noch alles anhören mussten, nicht mit ihm mitkommen und er unser Gepäck stehen lassen soll, dauerte es eine ganze Weile. Die anderen kamen auch endlich an und so konnten wir uns durch Gewusel und Gedränge bis zum Bus durchschlängeln. Den Survivalrucksack vor den Sitz zwischen die Beine gestopft und somit ging es ohne Beinfreiheit los auf eine 12 Stunden Fahrt nach Arusha. Auf der Fahrt war ich so geplättet wie stark sich die Landschaft innerhalb eines Landes von saftig grün, über dürr und kahl bis hin zu Regen oder kompletter Dürre, verändern kann. Die Farbe der Erde wechselte mit jedem Kilometer, den wir gefahren sind von tief dunkelbraun bis zu lehmig rot.

Ankunft in Arusha
Arusha Busbahnhof: Es wurden natürlich etliche Mitfahrgelegenheiten & Safariangebote gemacht, die wir aber höflich ablehnen konnten und die Menschen in Arusha waren schon direkt freundlicher, als die in Dar es Salaam. Unser Hotel war nichts Besonderes, aber für uns völlig ausreichend, mittlerweile haben wir nicht mehr wirklich hohe Ansprüche: ein Bett mit Moskitonetz zählt schon zum Luxus;)
 Danach ging es los, Arusha mit unserem Guide bei Nacht zu erkunden. Arusha ist ein sehr gefährliches Pflaster und wir wurden nicht nur einmal gewarnt, bei Nacht nicht alleine raus zu gehen und unsere Wertsachen am besten im Hotel zu lassen. Es ist unglaublich, wie viele bettelnde Männer und Kinder in den Straßen unterwegs sind, die meistens Messer dabei haben, um Bauchtaschen usw. aufzuschlitzen, weshalb wir immer eine Hand darauf halten sollen. Die meisten Sehenswürdigkeiten, die wir angeschaut haben, stammen noch aus der deutschen bzw. englischen Kolonialzeit und waren wirklich schön, wohin gegen Arusha mir an sich gar nicht gefallen hat. Arusha ist noch dreckiger, lauter verwirrender als Dar es Salaam. Auch nach mehreren Tagen hätte ich nicht sagen können, ob wir aus dieser oder jener Richtung kamen, geschweige denn in welche wir gehen müssten.

Tarangire Nationalpark - Safari Tag 1
Schon auf der Fahrt zum Nationalpark konnte man zum einen unzählige Hoods oder Manyattas der Maasai sehen, da hier im Norden eben die Heimat der Maasai ist, zum anderen Esel, die Wasserkanister und vieles mehr zu schleppen hatten, Kinder die Ziegen und Kühe hüten und viel viel Landschaft soweit das Auge reicht.
Bei unserem Camp angelangt setzten wir unseren Koch ab, der in der Zeit unsere Zelte aufbauen wird, während wir uns weiter in Richtung Nationalpark begaben. Was zuerst wie ein riesengroßer Erdhaufen aussah, stellte sich wie viele kleine wuselnde Erdmännchen heraus; unser Guide kannte alle Routen, die für mich wirklich alle gleich aussahen und immer wieder sahen wir andere Tiere. Die Landschaft hier ist ziemlich trocken und eben, auch sehr wenig grün, eher niederes gelbes Gras, in dem sich die unterschiedlichsten Tiere im Schatten vor der Mittagssonne ausruhten.
Die Liste unserer Tiere begann mit Impalas und Wasserbüffeln und bestimmt 500 Elefanten, die teilweise so nah an unser Safariauto heran kamen, dass die besten Bilder entstehen konnten und wir wirklich kein Fernglas nötig hatten. In dem Moment kam ich mir dann auch um einiges kleiner und zerbrechlicher vor, wenn so ein riesen Koloss plötzlich vor einem den Weg kreuzt oder fast den Rüssel in das offene Fenster streckt.
Zebras und Gnus traten fast immer in Begleitung voneinander auf; Warzenschweine à la Pumba aus König der Löwen habe ich mir aber ja soo viel größer vorgestellt, und irgendwie auch viel süßer und irgendwie mit weniger großen Warzen, Disney hat die Sicht auf die Dinge eben doch vorbestimmt.
Natürlich begaben wir uns auch auf die Suche nach Löwen, aus ganz weiter Entfernung haben wir sie im Schatten liegend mit dem Fernglas sehen können, wohingegen unser Guide sie schon von einigen Metern Entfernung mit dem bloßen Auge erkennen konnte. Ich wollte von Anfang an unbedingt einen Leoparden sehen und auch nach Giraffen haben wir fieberhaft Ausschau gehalten, hatten bis dahin aber kein Glück, dafür konnten wir aber einen Gepard „Cheetah“ im Schatten liegen sehen, was auch eine Seltenheit ist. 
Am Straßenrand konnte man immer Perlhühner in Grüppchen sitzen sehen und viele schillernde Vögel vorbei fliegen sehen. Büffel, Strauße, eine Schildkröte und am Ende haben wir auch noch die ersehnten Giraffen gesehen. Natürlich auch verschiedene Affen-Arten, die beim Lunch in die Safari Autos springen und die Vorräte klauen. Beim Lunch hatten wir einen super Ausblick auf den Tarangire River, um den die Landschaft herum dann schon grüner war. Im Camp angekommen, war es bereits stockdunkel; unsere Zelte waren aufgebaut, aber ohne Taschenlampe war es trotzdem etwas schwierig, alles zu finden. Die Camp-Duschen waren nicht wirklich einladen, dafür das Abendessen, das unser Koch gezaubert hatte, umso mehr: Butternut-Suppe, Fisch, Kartoffeln, Gemüse, Salat mit Avocado und Ananas und Mango zum Nachtisch. Da wir uns zur Zeit der kleinen Regenzeit auf Safari befinden, hat der Regen auch nicht lange auf sich warten lassen und auch das Gewitter war echt nahe, aber bei Gewitter im Zelt schläft sich’s umso besser finde ich.

Lake Manyara - Safari Tag 2
Das Frühstück um 7 Uhr hat sich genauso wie das Abendessen gestern sehen lassen können. Der Park lag nicht weit entfernt von unserer neuen Lodge und schon auf dem Weg in den Park haben wir Frauen gesehen, die Recherche betrieben haben über die vielen Affenarten, die hier einfach auf der Hauptstraßen laufen und von einer Seite zur anderen rennen und sich von Baum zu Baum hangeln.
Die Vegetation von gestern zu heute, zeigte eine wirklich große Veränderung: Keine kahle, karge Savanne, sondern dichter, grüner Dschungel, der von den verschiedensten Affenarten (Paviane, grüne Meerkatze u.v.m.) bevölkert ist. Man konnte sehen, wie die Mamas ihre Babys um den Bauch schlingen und dann genauso schnell wie zuvor mit ihnen davon rennen konnten. Der Lake Manyara National Park ist zudem für seine unterirdischen Quellen bekannt, weshalb wir rechts und links von der Straße einfach Wasser fließen sehen konnte, das quasi aus dem Nirgendwo kam. 
Heute sehen Sie: Warzenschweine, Zebras mit vielen Neugeboren, Gnus, Impalas, noch mehr Vögel, vor allem im und am Wasser, Affen, Hippos, Flamingos, Büffel, Elefanten und Giraffen. Die Zebras wälzten sich hier viel mehr im Dreck, als gestern und sahen auch dementsprechend aus. Von dem großartig angepriesenen Hippo-Pool war ich etwas enttäuscht, weil die Hippos ziemlich weit weg waren und einfach nur wie große Steine im Wasser aussahen. Wenn man nicht wusste, was man sich gerade anschaute, hätte man sie nicht unbedingt für Nilpferde gehalten. Zwischendurch sind wir ausgestiegen, um die Hot Springs zu besichtigen und ich kann es nicht anders beschreiben, es war sehr heißes Wasser, das aus irgendwelchen unterirdischen Quellen wegen der unterschiedlichen Gesteine usw. fließt. 
Danach machten wir unsere Mittagspause und konnten von dort aus schon den riesigen Lake Manyara sehen, der bevölkert war von tausenden von Flamingos, die leider gerade dann in die andere Richtung vom See geflogen sind, als wir uns auf den Steg begaben, um sie näher zu betrachten. Auf dem Rückweg konnten wir zwar heute keine Baumlöwen finden, dafür haben wir aber gesehen, wie ein ägyptischer Geier gerade ein Baby Impala in mundgerechte Stücke zerreißt, um sein Mahl zu genießen. Den Abend haben wir ausklingen lassen, indem wir die Maasai-Läden durchstöbert haben und im Lodge wieder gutes Essen und eine angenehme Dusche genießen konnten. Natürlich regnete es aber wieder die ganze Nacht mit Gewitter, damit ich bis um 5.30 Uhr wenigstens gut einschlafen konnte.

Ngorongoro Crater - Safari Tag 3
Heute mussten wir fast eine Stunde zum nächsten Nationalpark fahren, der Himmel war nebel- und wolkenverhangen und man konnte fast nichts sehen, gute Aussichten, dachte ich mir. Nachdem wir erst einmal mühsam den Weg hinauf auf den Berg schlichen, ging es beim 2. Gate hinein in den Krater, der so groß ist, dass ganz München einmal hinein passt. 
Von oben sahen alle Tiere so klein aus, aber als wir näher kamen, waren die Tiere so nah wie in keinem anderen Park bisher; sie sind die Autos und die Touristen schon so gewohnt, dass man manchmal meinen könnte sie werfen sich extra in Pose. Zuerst haben Gnus, Büffel und hunderte von Zebras gesehen. Noch unbekannte Tiere waren verschiedene Gazellen-Arten, Hyänen und Hippos aus der Nähe. Hier gab es dafür keine Giraffen und nur wenig Elefanten, dafür aber umso mehr schillernde Vögel, Strauße, Perlhühner, Warzenschweine und außerdem so viele erlebnisreiche Strecken, wenn wir zum Beispiel mit dem Auto quer durch den Fluss gefahren sind.
Das Highlight heute war die Löwen-Suche: Unser Guide entdeckte zuerst mit dem bloßen Auge 6 Löwen in mehr als 100 Metern Luftlinie entfernt auf der Hügelkuppe liegen, die wir trotz Fernglas nicht wirklich als Löwen durchgehen lassen wollten. Als wir dann schon wieder die asphaltierte Straße hinaus aus dem Krater fuhren, wurde ich unsanft aus meinem Tiefschlaf gerissen: „Da, ein Löwe!!!“ 
Tatsächlich saß direkt vor unseren Augen eine Löwin in 5 Metern Entfernung, die eine richtige Show ablieferte, damit auch jeder Safari-Tourist zufrieden sein konnte und sie dann getrost zu ihrem Jungen zurück gehen konnte.

Hotelsuche:
Zurück im Hotel, besser gesagt vor dem Hotel, erfuhren wir, dass kein Zimmer mehr für uns frei ist und wir woanders untergebracht werden müssen, natürlich haben wir alles im Voraus gebucht und waren dementsprechend verwirrt und wütend. Wir wurden 50 Meter weiter zum nächsten Hotel gebracht, nur um zu erfahren, dass auch das besetzt ist; dann setzten uns völlig fremde Leute in ein Taxi und sagten wir sollen aussteigen, wenn der Fahrer es sagt. Ich kam mir vor wie im falschen Film, vor allem als wir dann auf ein großes Tor zusteuerten, das in einen Hinterhof wie in einer Kaserne führte und welches sich direkt hinter uns schließt. Also gingen wir uns das besagte Hotel nach kurzen Momenten des Schreckens einmal anschauen und stellten zum Glück fest, dass es ein Restaurant hatte und wir nicht ohne Abendessen ins Bett müssen, weil wie schon erwähnt, Arusha bei Nacht keine gute Idee ist.

Arusha-City-Tour
Mein erster Eindruck von Arusha hatte mich nicht getäuscht: laut, dreckig, unattraktiv. Hier gibt es fast nur Taxis oder Privatautos, nur wenige Daladalas und so gut wie keine Bajajis, also ganz anders als in Dar. Am Straßenrand sahen wir Jugendliche, die eine ganz weiße Bemalung im Gesicht hatten und uns wurde erklärt, dass die Jungs entweder bald oder gerade ihre Beschneidung hatte und nun für einen Monat so aussehen werden, um dann dem Stand der Krieger anzugehören. Also wenn ich das alles richtig verstanden habe. Was mich aber auch echt beeindruckt hat war die Landschaft, wie stark sie sich sogar innerhalb von Arusha nach nur wenigen Kilometern verändert.
Wir besichtigten den großen Markt, auf dem uns jeder sein Obst & Gemüse schmackhafter als der Gegenüber machen wollte und auch hier fand man viele bettelnde Kinder oder solche, die kleine Plastiktüten verkauften, um zu Geld zu kommen. Außerdem war uns irgendwann der Geruch zuwider, Fisch und Fleisch werden hier ungekühlt neben allen anderen Lebensmitteln ausgelegt und verbreiten so eine nicht ganz angenehme Note. 
Nachdem wir in einem Garten, den die deutschen Kolonialmächte gebaut hatten, unser Obst genossen haben, machten wir uns auf den Weg in das „Africafe“, ein Geheimtipp unter Europäern, da es fast nur von Weißen besucht ist, weil das Essen und auch die heiße Schokolade und und und.. europäischen Kochkünsten das Wasser reichen kann. eine willkommene Abwechslung!

Maasai Boma & Snake Park
Die Fahrt im Daladala war wirklich unangenehm: Wir saßen wie die Hühner auf der Stange entgegen der Fahrtrichtung, also wie auf dem Präsentierteller, allen Blicken der Einheimischen ausgesetzt und das haben sie uns auch deutlich zu spüren gegeben.
Als wir ausstiegen und einen Maasai erblickten, mussten wir wieder umkehren und erst nach 2 Minuten zurück kehren, weil er uns gesehen hat.
Am Maasai-Boma angelangt, fragte unser Guide nach seiner Bekannten, die nicht aufzufinden war, also fragte er nach dem Maasai Ältesten, ob wir das Boma besichtigen dürfen. Ein großer Maasai mit unglaublich vielen Decken und Tüchern gekleidet, einem Stab in der Hand, großen ausgedehnten Ohrlöchern und den für Maasai typischen Autoreifenschuhen, kam auf uns zu und brachte uns zur Hütte seiner Frau und seiner Kinder.
In der „Hat“ war es ziemlich dunkel, das ganze Haus bestand aus Holz und wurde abgedichtet mit Kuhmist, so dass es aussah wie Lehm, allerdings sind wirklich nur winzige Fenster und zwar allerhöchstens drei pro Hütte zu sehen. Im sogenannten Wohnzimmer nahmen wir Platz und setzten uns auf den Stühlen bespannt aus Kuhhäuten, die es hier überall gibt. Die Hütte ist unterteilt in Wohnzimmer, „Flur“, Schlafbereich der Mutter und Schlafbereich der Kinder. Wir erhielten Einblicke in die Bräuche und Sitten der Maasai und uns wurde der Maasai Schmuck der Tochter gezeigt und die Gefäße, aus denen sie trinken, die man sich wie keltische Trinkhörner vorstellen kann, den Namen habe ich aber grade vergessen…

Die Maasai und ihre Rituale:
o    Beschneidung: Im Zuge der Beschneidung müssen 14-16 Jährige Jungs in einem extra Bereich außerhalb der Boma für 4 Monate leben. Sie bekommen nur Fleisch zu essen und dürfen keine Frauen sehen. Nach dieser Zeit haben sie auch einen anderen Namen und es gibt ein riesiges Fest am Ende der Zeit.
o   Männer und Frauen leben getrennt: Der Mann hat seine eigene Hütte. Er kann sich jede Frau seines Bomas nehmen, wann immer er will
o   Das Essen: Die Frau darf den Mann nicht beim Essen sehen, geschweige denn sein Essen ansehen, da es sonst als unrein gilt
o   Schlafplätze: Die Kinder schlafen lediglich auf Kuhhäuten in einem Raum von höchstens 4 m2, die Mutter hat ein Bett für sich und der Vater darf die Schlafplätze der Kinder nicht sehen, warum verstehe ich nicht und wurde mir auch nicht erklärt.
o   Der Maasai Älteste: Alle Frauen & Kinder hören auf diesen Mann und müssen tun und lassen, was er sagt
o   Geldgeschäfte: Geldgeschäfte werden im Geheimen abgewickelt und vor allem Kinder sollen diese nicht sehen, trotz allem verlangen die Kinder Geld für Fotos beispielsweise, was sie meiner Meinung nach ja irgendwo her gelernt haben müssen
o   Sexualität: Der Mann bestimmt, wann er Sex mit seiner Frau möchte; diese darf ihn dabei nie berühren, ansonsten gibt es eine Bestrafung von 60 Stockhieben und zudem nie selbst den Wunsch danach äußern; Bei den Maasai ist es auch weniger ein Akt der Liebe, sondern dient lediglich der Befriedigung der Lust vorwiegend des Mannes

Die Kinder werden ab einem Alter von 3 Jahren losgeschickt, um Kühe, Ziegen, Schafe & Esel zu tränken. Ansonsten leben die Tiere in einem eingezäunten Bereich, der sie aufgrund der Büsche mit speziellen Stacheln, vor wilden Tieren schützen soll. Der Maasai Mann ordnete seinen zwei ältesten Töchter an für uns traditionelle Lieder zu singen, wobei die Älteste dabei todunglücklich aussah, weshalb ich mich daran nicht wirklich erfreuen konnte. Sie haben im Wechsel gesungen und hatten eine Art Kranz um den Hals an dem Glöckchen usw. befestigt waren, mit denen sie durch irgendwelche Schulterbewegungen und Techniken den Rhythmus und die Melodie vervollständigten. Irgendwie dachte ich freuen sich die Maasai Kinder wenn jemand Fremdes kommt und irgendwie dachte ich stürmen alle auf einen zu oder so irgendetwas in der Art zumindest. Stattdessen war alles ziemlich gefühlskalt, sachlich und ernüchternd für mich, weil Geld hier eben doch eine große Rolle spielt. 
Das Geld das wir bezahlt haben, wird genutzt um Essensvorräte zu kaufen, weil die Maasai nicht wissen, wie man beispielsweise Mais anbaut. Aber anstatt immer nur für eine kurze Zeit Geld zur Verfügung zu haben, mit dem sie sowieso nicht wirklich haushalten können - so wie die meisten Leute hier -, wäre es aus entwicklungstechnischer Sicht eher sinnvoll ihnen zu zeigen wie man Brunnen baut und verschiedene Dinge anpflanzt und ihnen das Wie und Warum dahinter erklärt.
Allerdings ist es mir schon oft aufgefallen und so auch hier wieder, dass die Leute der afrikanischen Gesellschaft Veränderungen, Verbesserungen oder Wissensvermittlung nicht offen genug gegenüber stehen und das auch alles gar nicht annehmen wollen. Bei vielen bleibt eine eingeschränkte Sichtweise, durch die Entwicklungshilfe auch in Schulen usw. nur schwer Früchte tragen kann. Solche Dinge stimmen mich dann oft traurig und nachdenklich, weil ich mit anderen Vorsätzen hier her kam.
Zum Abschied schenkten wir den zwei Ältesten Töchtern noch unsere Wassermelone, über die sie sich scheinbar wirklich gefreut haben. J
Auf dem Weg zu Schlangenfarm startete unser Guide eine heftige Diskussion über Deutschland, unsere Sitten und natürlich Geld. Er wollte so vieles von uns wissen, hat unsere Erklärungen aber gar nicht angenommen sondern stattdessen behauptet wir würden lügen, wenn es beispielsweise darum ging, dass wir unseren Aufenthalt hier selbst finanzieren und dafür im Voraus wirklich nicht wenig Geld verdienen mussten. Stattdessen wollte er uns weismachen, dass uns der Staat solche Aufenthalte finanziert, sobald wir 18 sind.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Religion, da seiner Ansicht nach alle Deutschen nicht an Gott glauben und ich diskutierte heftig mit ihm darüber, dass auch Protestanten Christen sind und er leider nur die tansanische Sichtweise auf die Kirche kennt und ich jetzt zumindest auch einen Einblick in die tansanische Glaubensrichtung habe und deshalb Rückschlüsse ziehen kann. Als er dann auch noch damit anfing, wir haben einen schlechteren Glauben und den falschen so wie wir ihn leben, wurde mir das auch alles zu viel und wir wollten nur noch bei der Snake Farm ankommen.
Noch nicht einmal angekommen, startete er schon eine neue sehr verallgemeinernde Diskussion über deutsche Ehen, die wir ihm beantworten müssen, weil wir Deutsche sind. Für ihn ist die afrikanische Welt schon sehr fortschrittlich, weil er auch nichts anderes kennt und er selbst sieht auch keine nötige Verbesserung an irgendwelchen Punkten. Ihm ist nicht bewusst, dass viele Frauen für die uns bekannten Verhältnisse so gut wie keine Rechte haben oder selbst entscheiden dürfen wie sie gern leben wollen, weil es die tansanische „normale“ Rollenverteilung gibt, nach der sie leben. Dass für uns die Emanzipation auch in Beziehungen ein wichtiger Faktor ist, war für ihn nicht nachvollziehbar und unsere ganze Diskussion und Sichtweisen sah er auch nicht als gut an.
Über den Snake Park verliere ich nicht wirklich viele Worte, weil es nichts Besonderes war und sich sowohl der Weg, als auch der Eintritt nicht gelohnt hat und wir uns die wirklich nervenaufreibende Diskussionen hätten sparen können.
Am nächsten Tag besichtigten wir den Maasai Market und kauften nochmal richtig ein, die Shops hier waren auch viel freundlicher, sauberer und nicht nur vollgestopft so wie bei uns in Dar J Das lud geradezu zum Shoppen ein.

Weiterfahrt nach Moshi
In aller Früh machten wir uns auf den Weg zum Bus, um dann zu erfahren, dass der Bus, der uns gestern zugesichert wurde, nicht fährt. Unser Guide lässt sich von allen möglichen neuen Afrikanern anlocken und hätten wir nicht lautstark protestiert, wären wir von ihm in die größte Klapperkiste gesteckt worden, das vom Fahrer als „luxury edition“ angepriesen wurde. Weil wir in die letzte Reihe in einem ganz annehmbaren Bus verfrachtet wurden, konnte die Fahrt nur schrecklich werden.

Durch die vielen Schlaglöcher und Erhöhungen auf den Straßen bremsen die Busfahrer anfangs ab, um dann wieder Gas zu geben, sodass die hinteren Reihen nur so von einem Schlagloch in das nächste hüpfen. Selbst mit Sicherheitsgurt war mir nicht wirklich wohl auf dem Platz im Mittelgang J In Moshi angekommen, gab es erstaunlich wenig Gedränge und im Hotel angekommen verhandelten wir erst einmal den Zimmerpreis, da er für dieses Zimmer viel zu hoch angesetzt war. Die Suche nach Cafés gestaltete sich schwieriger als erwartet, weil die ganzen kleinen Shops auf den Reiseführer Plänen nicht eingezeichnet sind, was vielleicht auch besser so ist. Da es auch keine Straßennamen gibt und viele Cafés bereits nicht mehr so heißen wie angegeben, fragten wir uns so gut es eben ging durch.

Coffee-Tour & Hot Springs
Ab heute weiß ich jetzt, obwohl ich Kaffee ja nicht wirklich mag, wie das ganze also bis nach Deutschland kommt. Und aus sicheren quellen habe ich erfahren, dass er wohl sehr gut geschmeckt haben muss, also haben wir alles richtig gemacht. Nein, ich konnte meine Abscheu nicht überwinden und meinen selbst gemachten Kaffee probieren, ging einfach nicht :D
Vom Anpflanzen, Pflücken, Waschen, Schälen, Trocknen, Sortieren, Rösten, Verpacken und angeblich Genießen weiß ich jetzt alles. Die Maschinen sahen aus, als ob sie aus der Zeit gerade kurz nach dem Krieg stammen und der Mörser war fast so groß wie ich, aber es hat wirklich Spaß gemacht und auch die Leute waren richtig nett dort. Am Ende gab es sogar noch ein Mittagessen und wir gönnten uns abends nochmal eine Pizza.
Am nächsten Tag kamen wir nach einer schrecklich holprigen Fahrt bei den Hot Springs an, die alles andere als „heiß“ waren. Es sah sehr mystisch aus, total klares Wasser, alles versteckt von dichten Bäumen und sogar die Steine am Grund konnte man sehen. Lauter kleine Fische knabberten an uns herum und unsere Bilder wurden leider lang nicht so cool, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Sogar mit einer Liane konnten wir ins Wasser schwingen und fuhren dann vom Hunger geplagt wieder zurück ins Café. Sogar einen Cheesecake mit Beeren habe ich mir zum Nachtisch gegönnt, diese Reisezeit habe ich einfach als Urlaub angesehen. Leider konnten wir bisher immer noch keinen Kaffee kaufen und so suchten wir ein drittes Kaffee auf und hatten schließlich Glück.

Die Reise zurück - diesmal allein
Um 5.20 Uhr klingelte mein Wecker, eine wirklich unchristliche Zeit, aber ich wollte einfach sichergehen, dass alles klappt mit dem Bus, wenn ich schon alleine unterwegs sein werde. Nach meinem kurzen Frühstück im Dunkeln und der Taxifahrt saß ich alleine an der Busstation und kein Mensch war weit und breit zu sehen. 

Nach einer halben Stunde füllte sich die Station nach und nach und nach einer Stunde Verspätung traf dann auch endlich der Bus ein. Ich habe mich ja sogar schon auf 10 Stunden Busfahrt gefreut, weil ich dann wieder eine vertrautere Umgebung um mich hatte und keinen Reisestress mehr.
Vorerst habe ich genug erzählt, meine Sansibar Reise folgt in Kürze!!!


Liebe Grüße nach Hause ♥

Sonntag, 29. November 2015

Der letzte Schultag

Der letzte Schultag

Ich machte mich mit vielen kleinen Geschenken, Plänen und so ziemlich gespaltenen Gefühlen auf den Weg in die Schule.
Nachdem wir unsere üblichen Lieder gesungen haben, ging es zur Fernsehstunde. Passte leider nicht ganz in meinen Plan, weil ich echt noch so einiges vorbereitet hatte.
Naja, also wurde dieses Mal auf einem kleinen Laptop und kleinen Boxen König der Löwen geschaut; in Afrika genannt „Simba“ (auf Kisuaheli „Löwe“).
Nach unserer Tee-Zeit ging es dann aber doch ins Klassenzimmer und irgendwie wirkten alle Lehrer so beschäftigt und die Kinder wurden mal wieder sich selbst überlassen.
Deshalb habe ich nach einiger Zeit des Nichtstuns beschlossen, den Kindern Memory zu erklären. Sie hatten riesig Spaß dabei, obwohl sie sich die Paare nie richtig gut merken konnten. Das liegt meiner Meinung nach allerdings daran, dass die Kinder sich sonst nie viel merken mussten und dieser Teil des Denkens nie gefordert und gefördert wurde. Vor ein paar Wochen habe ich ihnen nämlich auch schon ein Tier-Uno erklärt, was auch zuerst noch so einige Hürden mit sich brachte, weil sie einfach Gesellschaftsspiele dieser Art nicht kennen und somit ihre Karten falsch herum hielten, sie den anderen zeigen oder einfach oft nicht verstanden haben, warum man blau nicht auf gelb legen kann;)
Uno Uno mit den Kindern
Trotzdem waren sie von den Spielen immer so begeistert, weil sie sonst nie die Chance bekommen Spiele zu spielen.
Das nächste Spiel sollte dazu dienen, sie auf ihre Graduation (den Abschluss der Nursery School) vorzubereiten; mit dem Abschluss dürfen sie dann in die Primary School (Grundschule).  Da ich mir ein Spiel mit Luftballons überlegt hatte, endete am Ende alles in einer großen Luftballon Schlacht mit Heulerei.
Die Zeit verging an diesem Tag wie im Flug: Ich habe meine ganzen Geschenke an die Kinder und die Lehrerin, die sie dann für alle aufbewahren sollte, verteilt und erlebte für mich persönlich eine ziemliche Enttäuschung. Meiner Meinung nach habe ich den Kindern nicht gerade wenig mitgebracht, außerdem jedem etwas eigenes kleines, damit sie eine Erinnerung haben, dann natürlich noch Dinge für die ganze Klasse bzw. Schule wie Bleistifte, Radiergummis etc. und habe ihnen extra Spiele geschenkt und ein Lied beigebracht, dass sie an die Zeit mit mir zurück denken können.
Trotzdem fragte die Lehrerin meiner Klasse, warum ich für sie nicht auch dies oder jenes noch mitgebracht habe, was speziell für die Kinder war - dachte auch nicht, dass eine Lehrerin so auf einen Vierfarbenstift abfahren könnte. 
Zeit für Geschenke
Hier wurde mir wieder einmal bestätigt, dass  selbst Kinder in Afrika nicht genug bekommen können, wenn sie schon ziemlich viel besitzen, so wie es an meiner Privatschule der Fall war. Ich habe nämlich auch ganz andere Erfahrungen von Volunteers mitgeteilt bekommen, die von strahlenden Kinderaugen über einen einzigen Bleistift berichtet haben.
Umso schöner war im Nachhinein der Kontrast, als ich auf dem Weg nach Arusha Kinder einem alten Fahrradreifen hinterher rennen sehen habe, die diesen angeschubst haben und bei solch banalem „Spielzeug“ die größte Freude ausgestrahlt haben. 


Zurück in die Schule:
Für alle Kinder der Schule habe ich noch Luftballons mitgebracht, die ich gemeinsam mit der Lehrerin meiner Klasse aufgeblasen habe und Namen darauf geschrieben. 
Luftballon - Party
Ich habe ihr hundertmal versucht zu erklären, dass es mir wichtig ist, die Luftballons erst nach einigen Fotos mit jeder Klasse und einem Gruppenbild, zu verteilen. Auch wenn ich immer das Gefühl hatte, dass sie mich verstanden hatte, hat sie es sich leider nicht zu Herzen genommen und deshalb gibt es von mir nun leider nur verschwommene Bilder, bei denen jedes Kind irgendwie dem Luftballon hinterher hüpft oder ich oder die Kinder Luftballons vor den Gesichtern haben.
Am Ende bekam ich inmitten dem Gewusel noch ein Zertifikat in die Hand gedrückt und die Hälfte der Kinder war wieder am Weinen weil auf wundersame Weise die meisten Luftballons schon kaputt gegangen sind. Hier möchte ich mich noch bei allen Firmen ganz herzlich bedanken, die mir Malbücher, Luftballons, Stifte u.v.m. zur Verfügung gestellt haben und allen privaten Spendern.
Das war dann also mein erlebnisreicher letzter Schultag. Vor zwei Tagen war ich die Kinder nochmal besuchen, weil sie ständig nach mir fragten. Sie haben sich riesig gefreut mich zu sehen und wollten unbedingt wieder UNO mit mir spielen oder Memory. Leider wurden die Spiele seither nicht wieder genutzt. Vielleicht kann irgendein Volunteer sie ja nochmal dazu bringen, diese auszupacken J

Morgen geht es los nach Sansibar und danach folgt wieder mal ein ziemlich langer Bericht über meine Safari und meine Reise drum herum und natürlich viele Bilder von der Safari und von Sansibar.
Fühlt euch gedrückt! ♥

Freitag, 27. November 2015

Nach 2 Monaten des Faulenzens kam mir das wie Extremsport vor..

Wie ein entspannter Spaziergang kam mir das aber nicht vor...

Wie versprochen folgen jetzt vermutlich die Highlights während meiner Zeit in Tansania! 
Die Rucksäcke sind mit dem Nötigsten für die nächsten Tage, Proviant und einer ziemlich großen Portion Vorfreude gepackt. 
Während wir im Stau standen, wurden wir schon von so vielen Männern belagert, die uns Kopfkissen, Süßes, Uhren und vieles mehr verkaufen wollten. 
In Ubungo (dem größten und unübersichtlichsten Busbahnhof überhaupt), der für mich am unattraktivsten erscheinende Ort in Tansania, angekommen, brachte uns eine nette Frau direkt zum richtigen Bus, löste unsere Tickets und setzte uns quasi auf unsere Plätze. 
In oftmals halsbrecherischem Tempo machten wir uns auf den Weg ins Landesinnere. Nach einer Zeit erholsamen Schlaf, trotz unzähliger Ruckler, wachte ich auf und die Landschaft um mich herum war einfach komplett grün. Ziegen waren am Straßenrand angebunden, die Häuser sind aus Stein & Lehm gebaut und es kam mir alles so sauber vor. allerdings nur bis zu dem Augenblick als ich Männer den Müll aufsammeln und auf große Haufen schichten sah, die wiederum irgendwann angezündet werden. Als wir uns Morogoro immer weiter näherten, standen nun oft am Wegrand so 20-30 Eimer voller Mangos, Orangen, Zwiebeln usw. 
Nach 4 Stunden Fahrt voller Staunen, Einatmen frischer, sauberer Luft und der Begeisterung über die grüne Landschaft und darüber wie sich die Sonne durch die Wolken schiebt, kamen wir in Morogoro an.

Unserer Hotel war für unsere Verhältnisse sogar echt nobel: Bett, Bad, Fernseher, Balkon inklusive Frühstück für 7,50 €. Unsere kleine Erkundungstour durch Morogoro beendeten wir wieder, als wir in der näheren Umgebung kein Restaurant gefunden haben und sind dann direkt bei uns im Hotel Essen gegangen. Dann hieß es für uns früh ins Bett zu gehen, weil wir am nächsten Tag für unsere Wanderung früh raus mussten. 
Ein völliger Kontrast erwartet uns, als wir Ramon (unseren Guide) und seine Cousine in Sneaker und Flip-Flops antreffen, während wir in unseren Lauf- oder Wanderschuhen antreten. Schon nach den ersten 500 Metern traten uns Schweißperlen auf die Stirn und dabei herrschte ein für Afrika angenehmes Klima. Nichts desto trotz war der Anblick der Uluguru Mountains und der Landschaft drum herum atemberaubend. Die Menschen in den kleinen Hütten, an denen wir vorbei kamen, waren unheimlich freundlich. Der Anstieg wurde immer steiler und auch anstrengender, die Landschaft immer schöner: Wir sahen unheimliche Weiten, Höhen und Tiefen und Bananenstauden rechts und links säumten unseren Weg; außerdem hörten wir schon die ersten Wasserfälle aus der Ferne toben und brausen. 
Die Landschaft kann ich nur schwer in Worte fassen und auch Bilder können nicht ausdrücken, wie klein man sich umgeben von riesigen Bergwänden vorkommt und in der Mitte dessen auf großen, schwarzen Steinen sitzt, wenn neben einem der Wasserfall in seine Tiefen fließt. 
Nach 1 ½ Stunden Anstieg ohne Pause durften wir uns endlich auf den ersten Wasserfall freuen, auch wenn Baden nicht möglich war bei dem Wetter. Durch die Regenperiode war die lehmig-rote Erde total rutschig und nicht nur einmal landete ich im Dreck, während wir uns Schritt für Schritt an den Fuß des Wasserfalls begaben.
Nachdem wir den ersten Wasserfall gesehen hatten, wollten wir natürlich auch den zweiten sehen, was sich als nicht gerade leicht heraus stellte, weil sich unser Weg von nun an durch die Wildnis, Gestrüpp, ausgerissene Wurzeln und lose Dreckhaufen bahnte. 
Den Wasserfall konnte ich schon hören und als ich sah wie weit der rettende, spitze Stein von der Seite entfernt war, an der ich dann stand, befürchtete ich schon das Schlimmste. Ich hatte den spitzen Stein gerade so erreicht und bemerkte im selben Moment wie mein Fuß langsam abrutschte und ich im Wasser landete. Also musste ich von nun an mit nassen Socken und Schuhen weiter wandern. Bei unserer weiteren Kletterei bin ich nicht nur einmal abgerutscht, wenn die Erde unter mir weg bröckelte oder der Weg nur noch 10-20 cm breit war und eine Steigung von bestimmt 80% hatte, bei der der „Weg“ aus Sträuchern, Wurzeln u.v.m. bestand. Ich fühlte mich ehrlich gesagt wie ein Maulwurf, weil ich mich in jeden Brocken Erde krallte, um dort hoch zu kommen und hatte wirklich zu kämpfen, vor allem auch wegen meinen Knien. Die Cousine von Ramon ist diesen Weg, den man bei uns in dieser Form niemals finden würde, in Flip-Flops und ohne Probleme hochgeklettert. Aber ich bin wirklich stolz und total fertig gewesen, als ich dann oben ankam. 
In Morogoro werden seit der deutschen Kolonialzeit Erdbeeren angebaut und bei unserem Aufstieg konnten wir die riesigen Flächen davon sehen. Im Haus von Ramon angelangt, durften wir erst einmal selbst angebaute Bananen essen.
Eigentlich wollten wir noch weiter nach oben, um die Gebäude der Kolonialzeit anzuschauen, aber nach diesen Strapazen war davon keiner mehr von uns in der Lage und wir mussten natürlich auch noch an den Abstieg denken;) 
Am nächsten Tag fuhren wir wieder nach Hause und unser Busfahrer brachte uns nur wegen seiner verrückten Fahrweise, indem er 3 LKW am Stück überholte, so schnell ans Ziel. 
Im nächsten Blogeintrag erfahrt ihr von meinem letzten Schultag und ich hoffe ich komme überhaupt hinterher mit Schreiben bei den vielen Dingen, die ich gerade erst erlebt habe. 

Bis bald ♥ 

Mittwoch, 4. November 2015

Hallo ihr in Novemberkälte bibbernden Lieben daheim,
ich melde mich für ein Update zwischendurch, weil ich dann für einige Zeit zieemlich viel vor habe und euch einen kleinen Ausblick geben will. 
Zur Zeit darf ich endlich jeden Tag eine Stunde unterrichten, sodass die Zeit dann auch nicht ganz so langsam verstreicht, wie sonst, wenn die Kinder nur irgendwelche Wörter nach plappern müssen oder auf eine mir noch unverständliche Weise Wörter buchstabieren müssen.
Die Kinder haben jetzt zumindest schon einmal verschiedene deutsche Worte über die Familie gehört, merken werden sie sich die sicher nicht lange und wenn, dauert das natürlich noch so einige Zeit. Trotzdem hab ich ihnen einen damit verbundenen Wunsch erfüllt, meine Familie zu sehen, da meine Geschwister mir - natürlich ganz unbemerkt und unauffällig;) - verschiedene Päckchen in den Koffer geschmuggelt haben, worunter sich auch ein kleines Fotoalbum von meiner Familie befand. 
Das habe ich aber schon vor meiner Abfahrt zu Hause gefunden, aber natürlich so getan, als ob ich das erst ganz zufällig im Flieger entdeckt habe;)
Trotzdem bin ich jedes Mal so glücklich, gleichzeitig zerreißt es mir ein bisschen das Herz und nebenher schürt es die Vorfreude auf Zuhause, wenn ich einen Zettel aus meiner Box nehme oder ein Päckchen öffne. Ihr seid die Besten!!! ♥ 
Außerdem haben wir letztes Wochenende einen Gottesdienst besucht. Dieser war aber wie wir nach einigem Erschrecken, Staunen und Wundern festgestellt haben nicht wirklich vergleichbar mit einem Gottesdienst, sondern eher vergleichbar mit einer sektenartigen Versammlung. Wir erlebten alles, vom traditionell bekannten Gospelgesang, über stadionartige Fangesänge mit Spendenjagd bis hin zum Exorzismus. Das war bisher der größte Kulturschock für mich und der nächste Kirchengang wird mich definitiv in eine lutherische Kirche führen.Soo und nun zum erwähnten Ausblick: Ihr dürft euch auf viele landschaftliche Eindrücke und vermutlich ausschweifende Blogeinträge freuen. 
Dieses Wochenende gehe ich mit 2 anderen Mädels in Morogoro, einem landschaftlich sehr schön gelegenen Gebiet (hoffentlich stimmt es dieses Mal auch wirklich..), wandern. Dann werde ich vorerst meine letzte Schulwoche verbringen, weil es dann voller Vorfreude auf Safari in den Norden geht. Wir werden zu viert mit einer geführten Safari 3 Nationalparks bereisen und danach auf eigene Faust noch Arusha, Simanjiro, Moshi und Tanga, wenn es nach Plan läuft, erkunden. Dann folgt nach kurzer Pause auch unser Trip nach Sansibar. Auf Sansibar gibt es so einige Attraktionen zu sehen: Den Spice Market, Stone Town, mit Delfinen zu schwimmen, Schildkröten sehen und Sansibari Pizza essen, zählen dazu.
Dann bin ich auch wieder genug gereist für eine Weile, zumindest wenn es nach meinem Kontostand geht;) 
Im Dezember haben so gut wie alle Schulen Ferien und somit auch ich. Leider verpasse ich durch den gewählten Reisezeitpunkt die Graduation an meiner Schule, aber sonst könnte ich die geplanten Reisen nicht in der Personenkonstellation durchführen, wie wir das wollten. 
Man kann eben nicht alles haben :) 
Habt trotz zähem Geschreibe und wenigen Bildern Spaß beim Mitfiebern, Lesen und beim Vorfreude genießen auf viele schöne Eindrücke. ♥ Bis bald!!!