Donnerstag, 29. Oktober 2015

Nach einigen Beschwerden.. Hab ich jetzt wirklich viel zu erzählen!

Hallo ihr Lieben, 

ich melde mich zurück, und ja ich lebe noch;) Ich weiß man hat jetzt seehr lange Zeit nichts von mir gehört und ich sag's euch es war und ist so einiges los hier. 
Und wenn ich ehrlich bin, habe ich auch oft gar nicht mehr die Zeit und Lust verspürt, mich abends nach der Arbeit an meinen Blog, meine Rundmails und mein Tagebuch zu setzen:)

Ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll, aber ich glaube ich beginne heute mal mit der Schule. 

Mir ist nach einem Gespräch mit meiner Mama nach meinem letzten Blogeintrag nämlich bewusst geworden, dass ich zu hohe Ansprüche hatte. Die Kinder lesen, schreiben und vor allem rechnen sie sehr viel. Jetzt denkt ihr sicher, ja machen unsere Kinder in Deutschland auch in der Schule. 

Dachte ich auch, bis mir bewusst wurde, dass ich mich eigentlich in einem Kinderhort, Kindergarten bzw. einer vorschule befinde. Die Kinder dort sind von 2-6 Jahren alt und das älteste Kind meiner Klasse ist jetzt schon dabei bis in den Hunderter Zahlenbereich zu rechnen. Da wurde mir klar: Ich verlange zu viel, wenn ich erwarte, dass sie Sätze richtig konstruieren sollen, und dass es ziemlich normal ist, zuerst einmal über das Hören, Erinnern und Merken Sätze zu lernen. 
Trotzdem fällt auf, dass die Kinder nicht wirklich zu selbstständigem Denken erzogen werden, so wird nach jeder Zahl, jedem Buchstaben oder jeder ausgemalten Fläche, die sie von der Tafel abschreiben sollen, nachgefragt, ob das so stimmt und vor allem wie es weitergeht. 
Ich habe hier schon gemerkt, dass ich viel geduldiger sein muss und das ganze eben noch zehnmal erklären muss, dass sie nicht nach jeder Zahl fragen müssen oder sollen, sondern eben abschreiben. Gleichzeitig verstehe ich es auch, ich habe abschreiben gehasst, weil es das langweiligste der ganzen Schulzeit war und so stupide, dass man irgendwann nicht mehr nachgedacht hat dabei. Allerdings fällt es mir die Geduldssache hier auch echt schwerer als zu Hause mit den Kinder und fordert viel von mir, was sonst, dachte ich zumindest, nie eine wirkliche Schwäche von mir war.
Ganz anders als ich es gewohnt bin ist hier der Klassenzusammenhalt und die Gruppendynamik. Anstatt den Kindern zu vermitteln wie wichtig ein starkes Miteinander & wie schön ein tolles Gemeinschaftsgefühl sein kann, wird hier eher verlangt, dass jeder kleinste Fehler gepetzt wird. 
Alle 2 Minuten kommt irgendein Kind mit den Worten: Der hat das und das gemacht, dann wird eine Runde unecht geweint und kurz darauf wieder zusammen gespielt. Ich frage mich dann immer, was verlangt dieses Kind, was ich mit dem anderen Kind jetzt anstelle, bloß weil der Radiergummi zu lang behalten wurde und ich nicht einmal mitbekommen habe, was ablief. 
Oft höre ich es mir an und frage direkt, was sie jetzt wollen, dass ich mache, dann wissen sie selbst keine Antwort oder ich ignoriere es, genauso wie das ständige grundlose Weinen, das man leider von richtigem Weinen nicht mehr unterscheiden kann. Oft werden dann Kindern, denen wirklich weh getan wurde, nicht mehr ernst genommen. Das ist auch eine Sache die mir hier sehr auffällt, die Kinder schlagen sich permanent. Die Großen die Kleinen und die Kleinen die Großen völlig egal. Einmal die Woche haben wir eine Fernsehstunde, in der die Kinder entweder Cartoons auf Englisch schauen dürfen oder so Lernlieder gesungen werden. Diese sind aber stets vom Erfolgsdruck geprägt, so heißt es oft: Wenn du nicht gut genug lernst, wirst du nicht bestehen und dann wird das Konsequenzen für dein komplettes weiteres Leben haben. Ich meine, die Kinder sind teilweise 2 Jahre alt, da vermisse ich es hier schon oft, dass sie die Kinder auch mal Kind sein lassen und auch eine Henne, einen Esel oder eine Ziege grün oder blau anmalen dürfen. Trotzdem finden die Kinder dann die meiste Zeit auch Momente, in denen solche Bilder entstehen können. :)


3. Oktober: Tag der deutschen Einheit. 

Ja, auch in Tansania kennt man diesen Tag, er wird sogar gefeiert. Zwar haben wir ihn aufgrund irgendeiner Überschneidung mit einem japanischen Feiertag am 2. Oktober gefeiert, aber wir waren in der deutschen Botschaft, also im nobleren und westlicheren Teil Dar es Salaams. 
Der Botschafter hat ein riesen Grundstück mit mega Haus darauf. Es gab gute Musik, Trinken und vor allem gutes deutsches Essen!!!

Von Bratwürsten, Pommes, Döner über Apfelkuchen, Bier und berlinern bis hin zu Brezeln und Nonnenfürzle. Es war wie im Paradies! Ich habe so viel vom süßen Buffet gegessen, dass ich das Gefühl hatte, ich muss gleich platzen, aber das war es wert. 

Danach gingen wir noch in einen Club in der Nähe feiern, der auf einem Hochhaus im freien über der ganzen Stadt war. Der Anblick war toll, die Musik nicht wirklich meins und die Uhrzeit irgendwann auch nicht mehr, aber spendable Afrikaner und Inder haben den Abend dann erträglich erscheinen lassen :D 

Jetzt folgen leider nicht wirklich positive Neuigkeiten: Ich war mehr als eine Woche krank, jetzt schon... Die Ärzte hier haben, auch nichts Neues für mich, nichts finden können, obwohl ich mit Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Schüttelfrost und Magenproblemen zu ihnen ging. Da ich aber nichts davon halte schlichtweg Antibiotika zu nehmen bei irgendeiner Art Infekt, der nicht einmal diagnostiziert wurde, musste ich ausharren. Es war wirklich nochmal schlimmer als zu Hause krank zu sein. Als wir beschlossen am nächsten Tag einen weiteren Krankenhausbesuch zu wagen, ging es wie durch ein Wunder bergauf. Nach und nach hörten sowohl, Kopf- als auch Magenschmerzen auf und die einzige Hürde war jetzt noch meine Malaria-Prophylaxe, die sich mit meinem Körper nicht wirklich gut vertragen hat. Die Frage war jetzt nach den unterschiedlichsten ärztlichen Ratschlägen: absetzen oder eben nicht?! Die Entscheidung fiel dann auf absetzen, zumindest solange ich in Dar es Salaam bin, was eh nicht wirklich als gefährliches Malariagebiet gilt. 


Jetzt wird es wieder spannender und abenteuerlustiger: Drei andere Mädels und ich beschlossen einen Kurztrip auf Mafia Island zu machen, was zu der Inselgruppe Sansibar gehört. 4 Tage, 4 Mädels, 4 Mal Halt unterwegs: Von unserem StudentHouse ging es mit dem Bajaji nachdem wir eeendlich alle genug Geld abheben konnten, da die Automaten immer leer waren, nach Makumbusho, der großen Daladala Bus Station. von dort aus setzten wir uns in den Bus nach Posta, die Haltestelle in der Innenstadt, weiter ging es zu einem Platz, den ich nicht mit Namen kenne in einen anderen Bus, oder sagen wir einen kleinen Van, der schon so gut wie voll war. Unsere Survivalrucksäcke wurden in den Kofferraum gestopft, der mit einer Schnur zugehalten wurde. Mir schwante nichts Gutes dabei;) Dazu aber später mehr. 

Mit gefühlten 500 km/h verließen wir die Stadt, als wir noch auf geteerten Straßen fuhren, war das auch alles nicht so schlimm, man musste eben viel Vertrauen in den Fahrer haben. Als wir aber dann auf sandigen, roten Geröllstraßen entlangbretterten, fand mein Kopf die Fahrt nicht mehr so angenehm. Wegen der vielen Schlaglöcher, Bodenwellen und Steine flog der Bus von einem Schlagloch ins nächste und mein Kopf knallte bei jedem Aufprall gegen die Innenwand des Busses. Aber nicht nur mein Kopf, nein, eigentlich wurde eher alles durchgeschüttelt und ich habe mich nicht selten gefragt, wann die Achsen des Busses denn jetzt dann brechen:D 

Irgendwann machte sich unser Kofferraum dann selbstständig und Unmengen von kleinen Wasserflaschen, die ihren Weg auf die Insel finden sollten und die Rucksäcke waren 20 Meter hinter uns verteilt. 

Eine meiner Meinung nach wirklich nicht abzuschauende Angewohnheit der Afrikaner ist es, im Bus jegliche Schiebefenster aufzumachen, sodass wirklich der komplette Durchzug herrscht. Bei diesen Straßenverhältnissen so ziemlich die schlechteste Idee. Ich habe bald so gut ich noch sehen konnte, niemanden mehr sehen können, der keinen Schal, Kanga oder sonst etwas vor Mund, Nase oder Augen gezogen hat. 
In Nyamisati, hier sollte unsere "Fähre" abfahren, angekommen, wurde uns erstmals bewusst wie dreckig wir uns unsere Sachen waren. Mein rosa Oberteil war bzw. ist noch immer braun;) 
Gegen 12 Uhr sind wir angekommen und waren total zufrieden, da unsere Fähre laut Reiseführer und Internet um 13 Uhr abfahren sollte. Doch sobald uns so gut wie jeder 2. Einheimische in Nyamisati erklärte, dass  die Fähre um 4 Uhr in der Nacht abfährt, waren wir kurz enttäuscht und ein neuer Plan musste her. 
Es dauerte allerdings nicht lange, als uns ein Guest House angeboten wurde. Ein Guest House mit niedrigstem afrikanischen Standard: Ein Bett, ein Kopfkissen und ein Moskitonetz mit so großen Löchern, dass zwei Fußbälle nebeneinander Platz gefunden hätten.
Super geeignet zum Torwandschießen für Anfänger, aber nicht wirklich dienlich zum Moskitoschutz. Nachdem wir unser Gepäck abgestellt hatten, erkundeten wir Nyamisati das einen großen Platz hat, um den drum herum alle Häuser und Shops stehen, zu dem die große Straße führt, die wir hergefahren sind. 
Wir setzten uns in eine kleine Bar und aßen Chipsi Mayai bis zum Umfallen und spielten den ganzen Tag lang Karten. 
Abends legten wir uns dann provisorisch ins Bett, aber wirklich lange schlafen konnte ich sowieso nicht. Um 3 Uhr nachts sollten wir dann bei der Fähre sein, um dann noch mindestens eine geschlagene Stunde zu warten bis Unmengen an Säcken mit Reis, Nudeln, Maismehl, Wasser und so vieles mehr an Bord waren, bis wir dann auch zusteigen durften. 
Da es aber stockdunkel war und man trotz unzähliger Sterne am Himmel nichts sehen konnte, war es mir unverständlich wie so viele afrikanische Frauen sich auf dem Bootsboden schlafen legen konnten, während andere noch nicht einmal einen Sitzplatz hatten. Wir kauerten uns also nachdem wir bestimmt auf so einige Füße und Hände getreten sind am Boden sitzend zusammen und los ging die Fahrt! Ich kam mir vor wie auf einem riesigen Flüchtlingsboot und weiß jetzt, dass bei uns niemals jemand eine solche Reise mit kleinen Kindern antreten würde, aber es sind natürlich auch andere Umstände und wir würden uns eben den Flug nehmen, der nach Mafia fliegt, aber diese Möglichkeit haben eben Volunteers, die noch mehr von Afrika sehen wollen und die meisten Afrikaner auch nicht. 4 Stunden Geschaukel und oft hatte ich auch das Gefühl mich übergeben zu müssen, so wie viel kleine Kinder und Frauen es schon taten. Auf Mafia angekommen wurden wir von kleinen Booten abgeholt, da das große Boot bei der ebbe nicht bis zum Ufer fahren konnte. Von dort aus ging es in unser Hotel: Das "Whale Shark Lodge"
Das war richtig schön angelegt, lauter kleine Bungalows und ein größeres Areal, wo gegessen wird und abends einfach gesessen werden kann. Wir bekamen ein verspätetes, aber dafür umso leckereres Frühstück (Toast, Chapati, Minibananen, Melone, Marmelade & sogar Honig), nachdem sich dann auch unsere Laune verbesserte. Jetzt wollten wir die in den Reiseführern angepriesene Landschaft und die Strände bewundern und machten uns auf den Weg. Abends zurück im Hotel wurde uns gesagt, dass man das Abendessen Mittags hätte reservieren müssen, was uns aber leider vergessen wurde zu sagen. Hier auf der Insel kauft man absichtlich nämlich nicht auf Vorrat ein, sondern nur das, was die Gäste auch verbrauchen werden, da alles mit dem Schiff her transportiert werden muss. Unsere abendliche Karten-Runde ging in die erste Runde;)
Der nächste Morgen ging sehr früh los. Es stand einiges auf dem Programm: Whale Shark Watching, oder besser gesagt Swimming.
Mir passten mal wieder keine Flossen und ich startete mit einem mega ängstlichen Gefühl, weil ich das weite und offenen Meer sowieso nicht als meinen besten Freund empfinde und wenn ich dann noch durch solche Dinge unsicher werde, macht es das Chaos meistens perfekt. Nach drei Stunden Ausschau halten, passierte etwas: Die Bootsguys riefen nur: Ok guys, get ready to jump in!!! 
Ich überlegte und zögerte zu lange und als ich dann aber schließlich doch sprang, habe ich von dem riesen Tier nicht viel gesehen, es war alles nur blau und schwarz und dunkel. Aber schon beim Reinspringen gelangte so viel Salzwasser Salzwasser in meine Lunge, dass die Panik stieg. Das rettende Boot entfernte sich wegen des Walhais auch immer mehr und somit war mein rettender anker außer Reichweite. Dann gewann die Panik wegen der hohen Wellen die Überhand und ich wollte nur noch zurück ins Boot. eigentlich ärgere ich mich danach auch immer, dass ich damit nicht besser umgehen kann, aber die zu großen Flossen machen mich einfach zu meinen nicht besonders guten Schwimmkünsten unsicherer, als ich es gern wäre.
Als wir uns schon auf dem Weg zur Sandbank machen wollten, sahen wir in der Ferne diesmal wirklich eine Flosse und nicht schon wieder nur irgendwelches Treibholz. Die Guys steuerten darauf zu und der Walhai schwamm einfach neben unserem Boot vielleicht 1 Meter unter der Wasseroberfläche. Er war einfach soo riesig und so lang wie unser Bott, also so an die 7-8 Meter!!!
Danach ging es weiter zu einem Korallenriff, das ohne flossen wieder schon nicht so ganz cool war. Das Riff war auch ziemlich trist und grau, da habe ich in Ägypten ein schon viel bunteres und lebhafteres Treiben sehen können. Zu allem Überfluss habe ich mir an der Koralle dann auch noch den Fuß aufgerissen, deshalb sind Flossen schon ganz geschickt ;)
Nach dem Schnorcheln strandeten wir an einer Sandbank, auf der gerade so circa 40 Fischer dabei waren ein riesen Netz einzuholen, denen wir dann so mehr oder weniger dabei halfen.

Gerade auf dem Weg zurück ins Boot kam uns ein Mann entgegen, der uns schon vom Boot aus von Weitem aufgefallen ist, weil er mit einem riesen Stab während des Tauchens an der Oberfläche auf das Wasser einstach. In der Hand hielt er einen Octopus, das war so glitschig und glibberig, aber auch mega cool, wie die Noppen noch ein bisschen saugten;)
Die Jungs von unserem Boot kauften den Octopus und wir machten uns auf den Weg in Richtung eines total einsamen und verlassenen Strandes. Dort wurde uns erst richtig bewusst, wie krass die Sonne trotz Sonnensegel auf dem offenen Meer für unsere Haut war. Die meisten von uns hatten trotz Sonnencreme ziemlichen Sonnenbrand und es gab so gut wie kein Fleckchen Schatten. Die Guys von unserem Boot machten dann ein Feuer aus Treibholz und dann erst haben wir verstanden, dass sie den Octopus hier gleich grillen und essen wollen. Gut gewürzt war er ja bereits;)

Der hat wirklich lecker geschmeckt, aber wir haben auch alle nur ein kleines Stück probiert, auch am Anfang gar nicht fischig, das kam erst gegen Ende.
Nachdem wir dann unseren Sonnenbrand für rot genug befunden hatten, machten wir und auf den Heimweg, damit ihr von dem atemberaubenden Sonnenuntergang und der schönen Aussicht von und zu der Klippe auf der sich unser Lodge mehr sehen könnt, findet ihr Bilder unter der Kategorie "Bilder". Heute bekamen wir auch unser bestelltes Abendessen und es hat wirklich alles echt gut geschmeckt. Danach folgte die abendliche Karten-Runde.
Am Tag darauf schliefen wir aus und genossen unser Frühstück, um uns danach auf den Weg zu machen unsere Tickets für die Rückfahrt zu kaufen und danach zum Strand im Mafia Marine Park zu gehen. Dort muss man 20 $ Eintritt zahlen, um nur dorthin an den Strand zu dürfen, also haben wir uns schon so einiges versprochen. Diese Erwartung wurde aber leider zu einer ziemlichen Enttäuschung: Der Strand war dreckig und die fahrt zur historischen Chole Island, auf der man Ruinen usw. besichtigen könnte, hätte uns nochmals 20 $ gekostet. Da einer aus unserer Gruppe dann auffiel, dass ihr Handy verschwunden ist, machten wir uns sowieso schnurstracks auf den Heimweg, um die Polizei aufzusuchen. Der Eigentümer hat alles versucht und die möglichen Diebe zu finden und hatte sie gegen Abend auch gefunden, aber das Handy tauchte trotz allem nicht auf. Noch unnötiger war aber der Gang zur Polizei, denn die Polizei ist hier sobald es Abend wird betrunken und fuchtelt dann mit den Maschinengewehren herum und will lieber die Handynummer und am besten gleich vier Frauen heiraten, anstatt auch nur ansatzweise etwas für die suche des Handys zu tun.
nach einem echt späten Abendessen ging es ins Bett, die Rucksäcke waren gepackt und der Wecker auf 4 Uhr gestellt!
Da der Bajaji-Fahrer, der uns zum Hafen bringen sollte nicht auftauchte, nahmen wir uns kurzerhand 2 Pikipikis (Motorräder), da Laufen viel zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte. Das war auch nochmals abenteuerlich: zu dritt auf einem Motorrad mit jeweils zwei großen Rucksäcken. Aber hier ist sowas Gang und Gebe, hier werden noch viel größere Dinge mit dem Pikipiki transportiert;)
Das Boot war wieder voll mit Menschen, aber diesmal waren viele aufgrund der Bauweise des Bootes viele gezwungen zu sitzen, aber es gab trotzdem genug Frauen, denen das nicht viel ausmachte und sich deshalb trotzdem hinlegten.
Dieses Mal erwischten wir einen Platz genau vor der Klotüre, die sich leider nicht ganz schließen ließ: wortwörtlich eine scheiß Situation;)
Dieses Mal aber waren wir mit Chips, Kuchen und ausreichend Wasser versorgt und auch die Fahrt war um einiges weniger schaukelig.

Zurück in Nyamisati hatten wir dieses Mal Glück und erwischten einen viel komfortableren Bus, auch wenn die Geschwindigkeit wahrscheinlich mit dem Wahnsinn des Fahrers gleichzusetzen war :D
Endlich Zuhause dachten wir!!! Jeder freute sich auf die lang ersehnte Dusche nach einem so langen Tag bzw. einer so langen Nacht. In der Zwischenzeit mussten auch zwei neue Volunteers angekommen sein, als uns plötzlich der Gedanke durch den Kopf schoss, was wäre, wenn diese nicht Zuhause sind und den Schlüssel nicht so versteckt haben, dass wir ihn finden oder ihn womöglich mitgenommen haben..?! Weil wir aber wohl noch nicht lange genug in verschwitztem Zustand auf den Beinen waren, passierte es dann genau so! 2 Stunden später die freundliche Begrüßung von den Neuen, sie hatten den Schlüssel versteckt, so wie es anscheinend üblich ist. Aber von dieser üblichen Art & Weise wussten wir leider nichts, naja nichts desto trotz haben sie ja alles so gemacht, wie es sich gehört. Außerdem haben sie uns Milka Schokolade und Haribo mitgebracht; sie kamen mir in der Situation wie Engel vor :)
Das war dann also unser Trip nach Mafia, der sowohl etwas Kriminelles an sich hatte, als aber auch echt schön war.
Irgendwie sollte die Zeit hier in Afrika für mich aber auch nicht die einfachste werden. Nicht nur dass ich von Anfang an mit Krankheiten, Nebenwirkungen der Tabletten, Heimweh und der Kultur zu kämpfen hatte, nein, es wurde nicht wirklich besser. Natürlich musste nach so einem Ausflug von zu Hause eine Hiobsbotschaft eintreffen..
Am Samstag versuchte ich mich dann am Strand abzulenken und das Resort, zu dem wir meistens gehen und den Tageseintritt bezahlen, hat die Speisekarte verändert und die Preise reduziert!!! 

Ich hab mir also gleich mal eine mega geile Pizza gegönnt, sie hat zwar anders geschmeckt, als Pizza bei uns, aber war trotzdem nicht weniger gut, einfach nur anders! Weil am Sonntag die Präsidentschaftswahlen sind, dachten wir nutzen wir dieses Samstag nochmal aus, bevor wir am Sonntag dann lieber im Haus bleiben sollen.
Auf dem Heimweg machten wir einen Halt im Supermarkt um so wie alle anderen Afrikaner auch Hamstereinkäufe zu betreiben. Nach einiger Diskussion was es denn morgen eventuell zum Essen geben könnte, kauften wir Kartoffeln, Pilze und Geschnetzeltes. Hundemüde fiel ich zu Hause ins Bett und wollte am liebsten nicht mehr aufstehen müssen, wenn ich dran denke, was für eine Mission uns heute bevorsteht: Ungeziefer-Bekämpfung!!!
Da die anderen überall Bisse haben und wir nicht wissen woher und was für Bisse es sind, sind wir mittlerweile von Flöhen, Bettwanzen und anderen Parasiten ausgegangen und kamen zu dem Schluss, dass wir alles waschen und einsprühen müssen, sowie unsere kompletten Schränke auszuräumen. Ich hab zwar keine Bisse, dafür schlafe ich jede Nacht nicht ein, weil man das Gefühl hat, überall kribbelt und krabbelt es.
Also ging es los und wir waschen Decken- und Kopfkissenbezüge, sowie Bettlaken von Hand und Teile unserer Klamotten, damit alle eventuellen Gäste ihre nicht rechtmäßig erworbenen Behausungen verlassen...
Ja, ich habe schon beim ersten Mal von Hand waschen die Waschmaschine schätzen gelernt, aber bei dieser Aktion noch einmal zehnmal mehr. 
Das ganze Haus hat nach Insektenschutzmittel gerochen...
Unser Abendessen war aber so lecker, dass es eine angemessene Belohnung für diese Mühe war. Die Nachbarn von uns hören hier den kompletten Tag Radio und seit den Wahlen hören sie irgendwie noch lauter als zuvor schon die Wahlberichtserstattungen, obwohl noch keinerlei Ergebnisse bekannt sind, wird die ganze Zeit darüber berichtet.
Total unausgeschlafen machte ich mich auf den Weg zur Schule, um dann zu erfahren, dass vermutlich bis Mittwoch keine Schule ist. Da ich aber schon einmal da war, durfte ich das kleine neu geborene Baby des Schulleiters bewundern und eine Stunde lang vor dem Fernseher (es liefen natürlich afrikanische Wahlnachrichten) im Arm halten.
am zweiten schulfreien Tag sind zwei der anderen und ich ins Krankenhaus und danach in einen riesen Supermarkt. Dort gibt es wirklich alles: Von Waffel/Sandwichmakern, bis hin zu europäischen Süßigkeiten, Barilla Nudeln, Ritter Sport und so viel mehr. Auch wenn alles unverhältnismäßig teuer ist, gibt es hier vor allem Inder, die durch die Regale schlendern und ihre Einkaufswägen so füllen. Da wurde mir der Kontrast von Arm zu Reich nochmals so richtig deutlich bewusst, wenn ich daran denke, dass in der Gegend, in der ich wohne, morgens die Menschen zwischen riesengroßen Bergen von Mülltüten aufstehen, die als Kopfkissen dienten oder als Schutz vor dem ganzen Staub der Straßen...
Am Abend habe ich dann erfahren, dass ich jetzt bis Montag noch schulfrei habe wegen der Wahlen. Auf Sansibar ist es auch schon zu Einsätzen der Polizei mit Tränengas gekommen aufgrund von Korruptionsvorwürfen, wobei diese in beiden Richtungen gerechtfertigt wären. Zum Glück ist bei uns alles ruhig, aber sowas werde ich wohl nie verstehen, mit welchen Mitteln Dinge unbedingt durchgeboxt werden müssen. Da ich aber heute so viel Zeit habe, nehme ich mir diese auch, um euch Lieben daheim, alles mitzuteilen, was mir noch so einfällt aus den letzten Wochen.
Jetzt bin ich bald 1 1/2 Monate hier und ich glaube mittlerweile bin ich langsam angekommen. Auch wenn ich hier so einiges verkraften musste, das ich nicht unbedingt gebraucht hätte, da mir der Aufenthalt hier sowieso schon schwer gefallen ist und manchmal noch fällt, aber ich werde daran wachsen und vieles mit nach Hause nehmen.
Durch diesen Aufenthalt hier lerne ich so viele Dinge Zuhause viel mehr schätzen, nicht als selbstverständlich zu sehen und bin dankbar. Dankbar für so vieles!!!

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Der Umzug! - und der langsam einkehrende Alltag!

 Hallo meine Lieben, 

ich versuche jetzt lieber kürzere Einträge, dafür aber umso öfter zu schreiben, weil ich nie weiß, wann mein Stromnetzwerk wieder so zuverlässig sein wird, wie zurzeit.
Ich kann euch sagen, es ist ganz schön was los, auf der anderen Halbkugel der Erde.
Ich bin in meinem ganzen Leben das erste Mal umgezogen und das nun innerhalb von 3 Wochen.
Hier im neuen Haus fühle ich mich endlich ein wenig angekommen und bin dabei mich einzuleben.
Die Tage davor waren milde ausgedrückt eine kleinegroße Katastrophe.
Diese Krise habe ich jetzt glaube ich vorerst überwunden und das trotz möglicherweise psychosefördernder Malariaprophylaxe. J
Im neuen Haus komme ich mir vor wie wenn ich in Barbie’s Haus persönlich eingezogen wäre. Wir haben überall rosa Wände und Stuck an den Decken und was noch viel wichtiger ist: Wir haben fließend Wasser.
Es war schon so ein kleines Erlebnis wieder einmal unter einer Dusche zu stehen, in der das Wasser nicht plötzlich ruckartig von oben kommt.
Die Zimmer sind zwar kleiner, dafür sind die Schränke und das restliche Mobiliar, das wir jetzt bekommen haben, grandios.
Wir haben nämlich drei Sofas, sodass alle acht Volunteers einen Platz finden, wenn wir gemeinsam einen Spieleabend verbringen.
Es bleibt zu hoffen, dass ich in den kommenden Nächten besser schlafen kann, weil wir irgendwie wohl in das Partyviertel gezogen sind und auch Lou, unser Hund, sich noch nicht ganz mit der Gegend angefreundet hat, zumindest ihrem nächtlichen Bellen nach zu urteilen.
Zurück zu den Sofas und dem Umzug: Ich dachte, so wurde mir mitgeteilt, der Umzug ist auch nach meiner Arbeit noch in vollem Gange und mache mich auf den Heimweg, um dort niemanden anzutreffen.
Kurzerhand werde ich an meinem Arbeitsplatz aufgesammelt, von einem Kleintransporter mit drei Sofas auf der Ladefläche sowie von drei RGV Mitarbeitern auf einem Sofa sitzend. Spring auf, heißt es. Gesagt getan, und lustig war es auch! J
Jetzt zum Schulalltag: Damit komme ich leider nicht wirklich klar. Nicht mit den erzieherischen Maßnahmen, nicht mit der pädagogischen Arbeit oder dem Vermitteln des Lernstoffes.
Für mich gibt es leider sehr wenig zu tun, da oft selbst nicht klar ist, was eigentlich der Plan für heute ist.
Heute musste ich erschreckenderweise feststellen, dass die Kinder nicht wissen wie die Struktur eines Satzes aufgebaut ist und somit keine bilden können, sondern einfach nur Sätze schrieben können, die sie aufgrund des Reims in ihren Köpfen behalten können.
Den Kindern wird nicht erklärt was sie da lesen und auch nicht die Bedeutung dessen, da den Lehrern oft selber nicht klar ist, was es bedeutet.
Da „health“ einfach „die Gesundheit“ ist und nicht „gesund“ an sich bedeutet und somit auch die Frage: „Are you health?“ keinen Sinn ergibt..
Das hat aber meiner Meinung viel damit zu tun, dass in der afrikanischen Bantu-Sprache Suaheli eine Wort die Bedeutung einer ganzen Phrase beinhaltet.
„Nimetoka“ steht nämlich beispielsweise für „Ich komme aus..“ , deshalb ist ihnen oft nicht bewusst, dass mehrere Worte benutzt werden müssen, um einen vollständigen Satz und die damit verbundene Bedeutung auszudrücken.
Ob ich nächste Woche nun Englisch unterrichten darf und es sinnvoll wäre, solche grundlegenden Dinge wie Satzkonstruktionen zu unterrichten, wird sich herausstellen.

Ich bin gespannt und ihr vermutlich auch! Macht’s gut!