Freitag, 29. Januar 2016

Ein frohes neues Jahr wünsche ich euch allen, es ist ja immer noch Januar ♥

Viele Neuigkeiten...
Heute melde ich mich mit meinem letzten Blogeintrag von Zuhause aus wieder. Die Umstände waren dann doch etwas andere und ich habe mich aufgrund meiner Gesundheit dazu entschieden 5 Wochen vorher heimzureisen. 
Aber jetzt einmal alles der Reihe nach: Ich habe noch so einiges zu berichten aus dem alten Jahr. 
Nachdem ich aus Sansibar kam, versuchten wir uns an den Weihnachstsvorbereitungen und daran Weihnachtsvorfreude aufkommen zu lassen. Das gelang uns aber nicht so wirklich. Es ist eben doch ganz ungewohnt Weihnachten bei 35 Grad und ohne die Familie zu feiern. 
Noch schwerer wurde es dann, weil die meisten Volunteers noch vor Weihnachten nach Hause geflogen sind. Im Geschenk meiner Geschwister habe ich aber wenigstens Weihnachtsdeko von Zuhause erhalten, womit wir unsere Palme geschmückt haben. 
Kurz nach Weihnachten ging es dann auf den Jahreswechsel zu, das Student House wurde immer dreckiger und ich habe mich nur noch beim Aufräumen ertappt. Deshalb war ich auch echt enttäuscht von einigen anderen und war ziemlich genervt. Deshalb war ich froh, dass der Plan von mir und zwei anderen Mädels fest stand: Im neuen Jahr wollen wir an einem anderen Standort in Tansania in einer anderen und neuen Umgebung neue Erfahrungen sammeln. 
Nochmal zurück zu Silvester: An diesem Tag kamen Heimatgefühle auf - unser Menü. 
Salat mit Mango und Cashewnüssen, Spätzle mit Pilzrahmgeschnetzeltem und zum Nachtisch Pudding. 
Natürlich konnte auch unser Koch-Experiment mit so gut wie keinen Hilfsmitteln, Töpfen, Pfannen oder Ähnlichem nicht so einfach klappen. Als wir endlich unser Mehl gesiebt hatten, entdeckten wir, dass die Eier für unsere Spätzle gefroren waren. Das hab ich noch nie erlebt sowas :D 
Nach ein paar Hindernissen hat es dann aber doch geklappt und um 12 Uhr gab es die Straße in Makongo hoch und runter ein Motorradrennen.

Abfahrt nach Iringa
Dieses Mal kam mir die Abfahrt von Ubungo aus gar nicht mehr soo schrecklich vor. An diesem Morgen hab ich das erste Mal dafür eine nicht sehr schöne Begegnung mit einem fremden Afrikaner gehabt, der mir hinterher gerufen hat, dass er weiße Menschen hasse. Das war kein sehr schöner Start in den Tag. Die Busfahrt hat sich mal wieder richtig gezogen und verlief noch zäher als die nach Arusha. Allerdings machte die schöne Aussicht wieder so einiges wett, da wir durch den Mikumi Nationalpark gefahren sind und dadurch rechts und links vom Fahrbahnrand unzählige Tiere beobachten konnten. Außerdem war mir die Umgebung gleich schon viel sympathischer: alles war grün und voller riesengroßer Felsen, die die Straßen säumten, sodass man immer das Gefühl hatte, sich in einer Talsenke zu befinden. In Iringa gab es durchgehend Häuser der Mittelklasse und nicht wie in Dar Es Salaam den extremen Unterschied zwischen Arm und Reich.

Das Student House in Iringa liegt total abgelegen und die Fahrt mit dem Bajaji war gar nicht so einfach, da wir durch unser vieles Gepäck und den Regen, der die Straße beinahe unbefahrbar gemacht hat, stecken geblieben sind. Als wir dann angekommen sind waren wir obwohl wir wussten, dass das Haus noch ganz am Anfang steht und nicht eingerichtet sein wird, doch ziemlich schockiert. Das Haus ist aus zwei Haushälften zusammengelegt, sodass sich die Küche und der ganze Wohnbereich bisher in der einen Haushälfte befinden. In unserer Haushälfte waren nur unsere Zimmer und die Bäder. Dass wir aber nur ein Bett hatten und ansonsten nichts war gar nicht das Problem, sondern eher das Unverständnis gegenüber dem tansanischen Hauskauf. Im Haus war noch nichts fertig gestellt und so mussten wir jeden Morgen das Wasser, das jeden Tag knöchelhoch im Haus stand, hinausschieben. Ich kann einfach nicht verstehen wieso man ein halb fertiges Haus kauft, da jeder weiß, dass der Vermieter nichts mehr am Zustand des Hauses ändert, sobald er sein Geld bekommen hat. 

Wir hatten keine Moskitonetze und einen Fußboden, der mit einer Art Wachstischedecke ausgekleidet war. Das alles galt es erst einmal zu verdauen. Als wir uns dann auf die Suche nach Bettdecken machten, erfuhren wir ein paar Tage später was Kommunikationsprobleme sind. 
Da wir uns in Dar Es Salaam immer nur mit Bettlaken oder Deckenbezügen zugedeckt hatten, weil es eben nachts auch so warm war, sind wir davon ausgegangen in Iringa ist es ebenso. Nach der ersten Nacht mit mehr als 20 Grad Temperaturunterschied mussten wir die Problematik ansprechen und wurden nicht wirklich ernst genommen. Einige Tage später kam dann durch Zufall heraus, dass jeder geglaubt hat, wir haben richtige Decken und würden noch immer frieren. Daraufhin haben wir wirklich Decken bekommen - zum Glück! 
Die Tage in Iringa hat es jeden Tag geregnet und zwar auf afrikanische Art und Weise - lange und heftig!!!
Trotzdem haben wir die Stadt erkundet und den Charme Iringas gespürt. Wir haben ein kleines Café gefunden, zu dem auch ein Shop gehört, in dem handgearbeitete Dinge verkauft werden, die von tauben und auch sonst beeinträchtigten Personen hergestellt werden. Wir kamen aus dem Staunen, Stöbern und Shoppen nicht mehr heraus. Schaut doch auch mal vorbei und lest etwas mehr über das Konzept von Neema Crafts.
Es war wirklich berührend wie sehr die Menschen, die dort arbeiten strahlen und diese Freude nach außen tragen. Auch im Restaurant wird man nur von Menschen mit Beeinträchtigung bedient, weshalb die Art und Weise der Bestellung auch ganz anders ist. Auf jedem Tisch befinden sich Zettel und Stifte, um die Bestellung direkt zu notieren. 
Am ersten Sonntag nachdem wir in Iringa ankamen, besuchten wir nochmals einen Gottesdienst, in dem wir wieder vorgestellt wurde bzw. uns vorstellen mussten. Dieser Gottesdienst war zwar sehr lange, aber durchaus eher so wie wir es gewohnt sind. Aber am Ende ging es auch in diesem Gottesdienst wieder nur um Geld. Als wir am Montag dann in den Kindergarten gelaufen sind, dachten wir schon wir seien zu spät, jedoch war niemand sonst da. Nach einer Weile des Wartens kam dann die Lehrerin, aber kein einziges Kind. Das sei am ersten Tag halt so, war dann die Erklärung für uns. 
Dadurch dass ein neues Gesetzt erlassen wurde, das besagt, dass für öffentliche Schulbildung nun kein Schulgeld mehr bezahlt werden muss, kamen die nächsten Tage nur bis zu drei Kindern. Diese wurden dann auch wieder nach Hause geschickt, ebenso wie wir. Uns wurde dann erklärt, dass der Kindergarten nicht unter dieses Gesetz fällt und auch die Eltern dies in einigen Wochen merken werden. 
In diesen Tagen ging es mit meinen Gefühlen hoch und runter, da mein Zeh einfach nicht besser wurde, sondern viel schlimmer. An manchen Tagen konnte ich kaum noch laufen, was die Straßen in Iringa aber auf jeden Fall erfordern. Deshalb habe ich beschlossen frühzeitig nach Hause zu fliegen um nicht die negativen Erfahrungen als letztes im Gedächtnis zu behalten, sondern lieber positive Lichtblicke in Erinnerung zu behalten. Die Zeit war am Ende nur noch nervenaufreibend und anstrengend und deshalb war es die für mich beste Lösung. Nun zum Schluss aber noch ein paar schöne Momente, die das Ende zieren sollen: 
Die meisten Kinder und auch die Erwachsenen in Iringa sind viel herzlicher, offener, fröhlicher und leichter zu erfreuen und zu begeistern als die in Dar Es Salaam. An den Häusern warten die Kinder meist draußen ob wer vorbei läuft und begrüßen jeden der vorbei kommt ganz überschwänglich. Ein kleiner Junge stand mit einem Stab vor seinem Haus und es war als ob er Ausschau gehalten hätte, wann etwas passiert und sobald er uns sah trommelte er seine ganzen Freunde, die hinter dem Haus warteten zusammen und schrie aus voller Kehle: „Mzungu!!, Wazungu!!!“, was (Weiße/r) bedeutet. 
Als wir dann weiter auf dem Heimweg waren, rannte uns eine Gruppe von Kindern entgegen und während die meisten langsamer wurden, als sie uns sahen, rannte ein Kind einfach weiter und ich dachte das Kind renne mich geradewegs um. Und ganz plötzlich schlingt es seine kleinen Arme um meine Beine. 
Das hat mich so richtig umgehauen und extrem berührt, ebenso wie mir dort aufgefallen ist, wie höflich und respektvoll auch wir behandelt wurden. 
Einige Tage später ging es für mich ganz kurzfristig auch schon wieder Nach Dar Es Salaam zurück und ich hätte Iringa und die Zeit mit den beiden Mädels gerne noch weiter genossen, was unter den Umständen aber leider nicht wirklich möglich war für mich. Also noch ein letztes Mal eine 10-stündige Busfahrt mit dem mittlerweile ganz alltäglichen Versorgungsschema: Fenster auf und bezahlen für alles, was dein Herz begehrt! Meine Heimreise war dann auch nochmals ziemlich spektakulär: Dar Es Salaam - Seychelles - Abu Dhabi - Karlsruhe - Stuttgart!!! 
Viel sehen konnte ich von den anderen Städten und Ländern nicht und in Karlsruhe zu landen war auch alles andere als geplant, aber letzten Ende bin ich heil zu Hause angekommen und war überglücklich! J
Am gleichen Tag habe ich dann noch so ein paar Personen überrascht, was mir echt nicht leicht fiel, die letzten Tage so zu tun als ob es mir besser ginge und alles gut werden wird und die Zeit des Fliegens, in der ich mich nicht melden konnte irgendwie plausibel zu erklären. Aber die Überraschungen waren ein voller Erfolg J
Ich habe in diesen beinahe fünf Monaten viel erlebt, bin so manches Mal über mich selbst hinaus gewachsen, habe einige Enttäuschungen eingesteckt und kam mir nicht immer sinnvoll eingesetzt vor. Ich war oftmals enttäuscht darüber nicht so wirken zu können, wie ich es mir vorgestellt hatte und habe in dieser Zeit deshalb viel über mich selbst und vom Leben gelernt. 
Das allerwichtigste, das ich nur immer wieder heraus heben kann, ist dankbar zu sein! Dankbar dafür, dass meine Familie immer und zu jeder Zeit hinter mir stand und steht und alles von zu Hause aus versucht hat, mir die Zeit, in der es mir schlecht ging zu erleichtern. Dankbar zu sein ein neues Land kennen zu lernen, eine neue bzw. weitere und andere Sichtweise auf alles zu bekommen. Dankbar zu sein für Freunde, die ich dort gefunden habe. Dankbar zu sein für bei uns alltägliche und selbstverständliche Dinge wie Wasser, Strom und ausgewogenes, vielfältiges Essen. Dankbar dafür zu sein, wie gut ich es habe, wie glücklich ich mich schätzen kann und darf und dankbar zu sein für so viel Erfahrungen, die ich mitnehmen durfte!
Ich bin dankbar, dass doch so viele an mich gedacht, mitgefiebert und mitgelesen haben.

Die allerliebsten Grüße nun von Zuhause, ich hab mich schon wieder eingewöhnt, bin am backen, koch und immer noch am Genießen und Staunen wegen der riesigen Vielfalt an Produkten sobald ich Einkaufen gehe aber vor allem das allerwichtigste:
I schwätz wiedr' Schwäbisch!!! 

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Wenn du mich fragst, wo's am Schönsten war, sag ich Sansibar - Achim Reichel

Sansibar - menschenleerer, weißer Strand, türkises Meer  - ein Traum 

Hallo zurück,
heute berichte ich euch von meinem Aufenthalt in Sansibar und die Weihnachtsstimmung in Dar Es Salaam, die sich bei mir einfach nicht einstellen mag.

Nachdem wir die Fähre betreten hatten, die sogar für afrikanische Verhältnisse ziemlich luxuriös war, erreichten wir nach 1 ½ Stunden Fahrt ein verregnetes Sansibar. 
Nachdem wir alles im Hotel abgestellt hatten, machten wir uns auf den Weg nach Stone Town; dort besichtigten wir den „Former Slave Market“ und erfuhren so einiges über die Zeit der Sklaverei und wer wie dagegen ankämpfte. Außerdem konnten wir die Katakomben sehen, in denen Frauen und Kinder und Männer darauf warteten versklavt zu werden, das war wirklich erschreckend zu sehen; es waren ca. 45 Frauen mit Kindern auf kleinstem Raum eingepfercht und die Fenster wurden im Nachhinein sogar noch vergrößert, damit bei Besichtigungen mehr zu erkennen ist. 
Nachdem wir den Nachmittag damit verbracht hatten durch die Gassen zu schlendern, ging es abends zum berühmten Food Market, bei dem es allerlei Sea Food gab, das uns aber eher nicht empfohlen wurde zu essen. Stattdessen aßen wir die berühmte Sansibari Pizza, die es sowohl in herzhafter als auch in süßer Variante gab. 
Der zweite Tag in Stone Town begann mit einem leckeren Frühstück auf der Dachterrasse unseres Hotels, von wo aus wir Blick auf das Meer, den Hafen und die alten Häuser Stone Towns hatten. Heute stand eine Spice Tour auf dem Programm, um zu erfahren wie die ganzen Gewürze, die wir so im Supermarkt kaufen in natura aussehen, wie sie riechen, schmecken und was für eine Arbeit dahinter steckt, an manche davon zu gelangen. auf Sansibar gibt es Pfeffer, Muskatnuss, Kardamom, Zimt, Vanille, Karambolen, Mangostanen, Jack-Fruits, „Red Lipstick“, Lemongrass und Nelken, was das berühmteste und wichtigste Gewürz Sansibars ist und natürlich noch viele mehr. Es war soo spannend, die ganzen Gerüche, wie die ganze Pflanze aussieht und was man in meiner Fantasie schon alles damit backen könnte, hat mich echt umgehauen.
Nach der Spice Tour fuhren wir in den Osten der Insel nach Jambiani. Unser Hotel dort war so gut wie leer und deshalb durften wir sogar ein schöneres Zimmer als geplant haben;) Mit Klimaanlage und extrem schicken Bad; das Hotel hatte auch einen kleinen Pool, war direkt am Strand und sehr grün angelegt.
Am dritten Tag fuhren wir in den Jozani Forest, um uns alles Wissenswerte über die beheimateten Bäume anzuhören und vor allem ganz viele Affen aus weniger als 1 Meter Entfernung betrachten zu können.
Am nächsten Tag war der Vormittag für den Strand, den Pool und zum Relaxen reserviert. Nachmittags gingen die anderen dann schnorcheln, aber das weite Meer und ich werden wohl einfach keine Freunde mehr; dann doch lieber eine Quad-Safari bzw. alles mit festem Boden unter meinen Füßen ;)
Naja von dem Tag hatte ich dann trotzdem was, wenn auch nur einen heftigen Sonnenbrand, aber besser als nichts.
Am nächsten Morgen wurden wir schon nach ein paar Runden durch den Pool abgeholt, um nach Kizimkazi zu fahren. Hier hat mir die Umgebung, das Meer, die Bungalows einfach alles am Besten. In m kleinen Lodge waren überall Liegen, Hängematten, gemütliche Sitzgruppen direkt zum Meer ausgerichtet und wir bleiben nur einen Tag; seehr traurig. 
Nach dem Essen bewunderten wir den unglaublich schönen Sonnenuntergang am Strand. Abends wurde ein Lagerfeuer gemacht und Trommeln dazu gestellt und wir bekamen afrikanische Trommelmusik zur Untermalung unseres Abends. Außerdem dachte ich bisher immer habe ich den schönsten Sternenhimmel im Jahr in Zaberfeld im Zeltlager, aber gegen den auf Sansibar kommt der dort echt nicht an. Ich konnte den ganzen Abend da sitzen und in den Himmel sehen, als dann auch noch Sternschnuppen auftauchten, war alles perfekt, außer dass  in solchen Momenten auch das Heimweh bzw. das Vermissen größer wird.
Um 5.45 Uhr am nächsten Morgen klingelte unser Wecker, weil wir heute auf Delfin-Tour gingen. Wenn man wollte, darf man natürlich auch mit ihnen schwimmen. Für mich war das aber erstens zu früh, zweitens zu kalt und drittens leben sie nun einmal im Meer;)
Man kann es sich ähnlich vorstellen wie bei dem Whale Shark auf Mafia: Anfangs nur wenige Boote, je weiter der Tag voranschreitet, umso mehr Boote fahren befüllt mit Touristen hinaus. Lange Zeit haben wir nichts sehen können, aber dann entdeckte ich einen kleinen Schwarm, auf den man dann mit einem Affenzahn zurast, um kurz davor wieder abzubremsen. Die Delfine werden eingekreist und alle Touris dürfen ins Wasser springen und sich die Delfine anschauen und natürlich ein Stück mit ihnen schwimmen, bis diese dann weiter schwimmen. Dann geht es zurück ins Boot und das ganze Spiel geht wieder von vorne los. Den Tag verbrachten wir noch ganz entspannt in Hängematten und Sonnenliegen.
Dann ging unsere Fahrt weiter zurück nach Stone Town. Nachdem wir nochmals gut gegessen hatten und unsere Tickets für die Nachtfähre gelöst haben, machten wir nochmals einen Bummel durch die Altstadt Zanzibars und deckten uns noch einmal mit Souvenirs und vor allem natürlich Gewürzen ein.
Bis bald!! Liebste Grüße Christina